Kassen lehnen Vorkasse ab

Ewiges Stiefkind GKV? Gesundheitspolitiker fördern derzeit die finanzielle Entlastung von privat Krankenversicherten und wollen gleichzeitig ein Vorkassemodell für die gesetzliche Krankenversicherung einführen. Die Kassen wehren sich heftig. Denn unter dem Schleier der Attraktivität lauert nach Ansicht von Kassenvorständen eine Kostenfalle für die Patienten und eine besonders einfache Option, das Solidarprinzip zu unterlaufen. Bisherige Ausgestaltung des [...]

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Ewiges Stiefkind GKV? Gesundheitspolitiker fördern derzeit die finanzielle Entlastung von privat Krankenversicherten und wollen gleichzeitig ein Vorkassemodell für die gesetzliche Krankenversicherung einführen. Die Kassen wehren sich heftig. Denn unter dem Schleier der Attraktivität lauert nach Ansicht von Kassenvorständen eine Kostenfalle für die Patienten und eine besonders einfache Option, das Solidarprinzip zu unterlaufen.

Bisherige Ausgestaltung des “Vorkasse”-Prinzips

Das Privileg eines (Schein-) Privatpatienten kostet den Patienten bisher eine einjährige Bindefrist an den Wahltarif plus Extra-Abschläge für Verwaltungskosten. Bislang verringert sich bei  TK-Mitgliedern die Erstattungssumme um zehn Prozent für Verwaltungskosten. Bei der Barmer GEK sind es 7,5 Prozent.

Bei der Barmer GEK haben sich etwa 30.000 Versicherte bisher freiwillig für das Kostener- stattungsprinzip entschieden. Hauptzielgruppe: älter und städisch – Hauptintention: Kostenkontrolle und Behandlung als Privatpatient – Hauptrisiko: Man wird zum Selbstzahler. Denn Barmer-Versicherte zahlen rund zwei Drittel der Arztkosten, TK-Versicherte durchschnittlich 64 Prozent. Wer nicht auf den Restkosten sitzen bleiben möchte, muss eine ambulante Zusatzversicherung abschließen, deren Monatsprämie je nach Abschlussalter, Geschlecht und sonstigen Leistungen zwischen 30 und Hundert Euro kostet.

Vorteile der geplanten Neugestaltung

Die Mehrkosten, die durch die Tarifwahl entstehen, sollen sich auf maximal fünf Prozent der Rechnungssumme reduzieren, die Tarifbindung auf ein viertel Jahr. Die Sprecherin der  Techniker Krankenkasse, Nicole Ramcke, sieht darin Vor- und Nachteile. Einerseits freue sich für ihre Versicherten über die verkürzte Frist. Eine fixe prozentuale Obergrenze beim Verwaltungsabschlag lehnt Ramcke dagegen ab, da es im Ermessen jeder einzelnen Kasse liegen sollte, wieviel Bürokratieaufschlag sie für das Vorkassemodell tatsächlich benötigt.

Nachteile der geplanten Neugestaltung

Was von Politikern als innovatives Modell gelobt wird, birgt nach Aussagen von Birgit Fischer keinerlei Vorteile für die Patienten: Mehr Kostenerstattung bedeute keineswegs mehr Patientenfreiheit, sagte die Barmer-GEK-Vorstandsvorsitzende Birgit Fischer geegnüber der Berliner Tageszeitung “Tagesspiegel”. Stattdesssen müsse der Vesicherte nicht nur in Vorkasse gehen, sondern auch einen Teil davon selbst bezahlen.

Neben einer zweifelhaften Aussicht auf mehr Kostenbewusstsein beim Patienten und einem erhöhten Verwaltungsaufwand käme vor allem der Nachteil eines ärztlichen Höhenfluges beim Honorar hinzu, da diese sich nicht mehr gezwungen seien, sich an die Vereinbarungen im GKV-Leistungskataloges zu halten.

Kostenerstattung, Beitragserhöhung und Zusatzpauschale – für Elke Ferner Vizevorsitzende der SPD-Fraktion,  reißt die Negativkette für gesetzlich Versicherte, die die Politiker im Rahmen des GKV-Finanzieungsgesetzes erstellt haben, nicht ab. Der Kassenpatient würde mit den neuen Elementen  “Vorkasse plus Teilkostenerstattung”  endgültig zur “Melkkuh der Nation”.

Eine kürzere Wechselfrist ist nach Ansicht des GKV-Spitzenverbandes jedoch nur für den Einzelnen von Vorteil, nicht für die Solidargemeinschaft. Denn wer Vorteile im Sachleistungsprinzip wähnt, könne eine Krankheit beispielweise vor anstehenden Behandlungen mit größerem  Therapievolumen “aufschieben” und innerhalb von drei Monaten zurück zum Sachleistungsprinzip kehren. Dort werden die Kosten dann ohne Eigenbeteiligung abgerechnet und erstatttet. Eine derart kurze Wechselfrist mache außerdem eine gute Kalkulation der Tarife schwieriger, sagt Ann Marini, Sprecherin des GKV-Spitzenverbandes.

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